Letztwillige Verfügungen

Die Gestaltung letzwilliger Verfügungen, sei es als Testament oder als Erbvertrag, sollte grundsätzlich nach Beratung durch einen Notar erfolgen. Zwar ist bei einem Testament die notarielle Beurkundung nicht zwingend erforderlich; die Erfahrung zeigt jedoch, dass fehlerhafte Formulierungen letzwilliger Verfügungen eine berechenbare Quelle unerfreulicher Nachlassauseinandersetzungen sind und die Ziele des Testierenden gefährden. Das mit insgesamt über 460 Paragraphen sehr ausführlich geregelte Erbrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches ist den Wenigsten hinreichend bekannt.

 

Nach Presseberichten sind fast 90 % der vorhandenen Testamente mangelhaft. Nur knapp ein Viertel der Erblasser verfügt überhaupt über ein Testament. In rund jedem sechsten Erbfall kommt es daher zu oft kostenspieligen und langwierigen Auseinandersetzungen unter den Erben, die nicht selten in tiefen Zerwürfnissen enden. Viele Witwen oder Witwer finden sich zudem unerwartet in einer Erbengemeinschaft wieder, weil die gesetzliche Erbfolge dem Erblasser nicht im Detail bekannt war.

 

Gerade Eltern hegen häufig den Wunsch, dass zunächst ihr Ehegatte alleiniger Erbe werden soll, damit dessen Lebensstandart ungeschmälert erhalten bleibt, bevor die Kinder erben. Dies lässt sich durch das sogenannte Berliner Testament regeln, das jedoch Pflichtteilsansprüche der Kinder nicht ausschließen kann.

 

Klug ist daher, mit seinen Kindern in jungen Jahren, wenn diese volljährig geworden sind, über einen Pflichtteilsverzicht zu sprechen und diesen notariell beurkunden zu lassen. Dieser berührt nicht die Stellung als gesetzlicher oder testamentarischer Erbe, sondern hindert nur die Geltendmachung von Pflichtteilsansprüchen, soweit zunächst vorrangig der längerlebende Elternteil Alleinerbe werden soll. Die Erfahrung zeigt, dass viele jung-erwachsene Kinder hierzu bereit sind. Mit zunehmendem Alter, steigenden wirschaftlichen Bedürfnissen und eventuell interessierten Lebenspartnern/Ehegatten sinkt diese Bereitschaft tendenziell.

 

Auch Alleinstehenden oder Kinderlosen ist dringend anzuraten, ein Testament zu machen. Fehlt ein Testament, führt dies regelmäßig zur Einrichtung einer Nachlasspflegschaft zur Ermittlung der gesetzlichen Erben durch das Nachlassgericht. Häufig kann der Nachlass dann erst nach jahrelangen Ermittlungen auseinandergesetzt werden. Nicht selten entstehen aufgrund der gesetzlichen Erbfolge Erbengemeinschaften, die schnell einmal aus um die 30 Personen bestehen. Die Erbquoten fallen entsprechend gering aus, der Aufwand ist unverhältnismäßig hoch und nicht selten sind die Erben über den ganzen Globus verstreut. Sind sie dann ermittelt, können sie regelmäßig nur gemeinschaftlich über den Nachlass verfügen, was erneut eine Quelle für Auseinandersetzungen sein kann. Häufig versterben aufgrund langer Ermittlungsdauern bereits Miterben, so dass bezüglich deren Rechtsnachfolge im schlimmsten Fall das gleiche Szenario anläuft. Ein richtig verfasstes Testament vermeidet derartige Schwierigkeiten. Sind nahe Angehörige nicht vorhanden, bietet sich an, Freunde oder gute Bekannte zum Erben zu berufen oder gemeinützige Einrichtungen zu bedenken.

 

Besondere Gestaltungen sind auch angezeigt, wenn bereits absehbar ist, dass ein zukünftiger Erbe auf öffentliche Leistungen angewiesen sein wird und ein ererbtes Vermögen daher vielleicht schnell verbraucht wäre. Ein Stichwort ist hier z.B. das so genannte "Behindertentestament". Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, einem beispielsweise behinderten Kind durch angepasste Gestaltung Vorteile zukommen zu lassen, die den Lebensstandard erhöhen und die Lebenssituation dauerhaft verbessern, ohne dass der Nachlass auf Leistungsansprüche verrechnet werden kann.

Die Kosten notarieller Beratung werden zudem häufig überschätzt; ein notarielles Testament erspart im Übrigen häufig den sonst im Erbfall erforderlichen Erbschein, der etwa die gleichen Kosten für die Erben verursacht.

 

 


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